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Kinderschutz und Krisensysteme in Wien – Verantwortung statt Schlagzeilen

Einleitung (Rede im Wiener Landtag, 21. Jänner 2026, Wien)


Der Schutz von Kindern ist für mich eine der sensibelsten und zugleich wichtigsten Aufgaben der Stadtpolitik. In dieser Rede im Wiener Landtag spreche ich als Abgeordneter zum Wiener Landtag und Gemeinderat der Stadt Wien (NEOS Wien) über die aktuelle Situation der Wiener Kinder- und Jugendhilfe. Ich ordne faktenbasiert ein, wo das System unter Druck steht, welche Maßnahmen bereits gesetzt wurden und warum seriöse Politik beim Kinderschutz nicht auf Schlagzeilen, sondern auf nachhaltige Lösungen setzen muss.


Wir behandeln heute eine Dringliche Anfrage zur Wiener Kinder- und Jugendhilfe, zur MA 11. Und ich möchte gleich am Anfang sagen: Das ist ein höchst sensibles Thema, denn wir reden nicht über Verwaltungstechnik, wir reden auch nicht über parteipolitische Profilierung, sondern wir reden über Kinder. Es geht um jetzt um Kinder, die nicht in Geborgenheit aufwachsen, um Kinder, die akut Schutz brauchen, und um all jene Menschen, die tagtäglich versuchen, diesen Schutz in Krisenzentren, in Pflegefamilien, in Wohngruppen, in der Sozialarbeit zu gewährleisten. Allen involvierten Kräften gilt unser größter Respekt und auch unser größter Dank. (Beifall bei den NEOS, der SPÖ sowie Teilen der GRÜNEN.) 

Genau deshalb braucht es in dieser Debatte gleichzeitig auch zwei Eigenschaften, und zwar volle Ernsthaftigkeit gegenüber den realen Problemen, aber auch echte Redlichkeit gegenüber der Realität. Es ist nämlich klar: Wenn wir über Kinderschutz sprechen, dann geht es nicht um schnelle Schlagzeilen, sondern um tragfähige Lösungen, und diese Lösungen müssen fachlich sauber entwickelt werden. Es ist wichtig, die aktuelle Situation nüchtern zu betrachten. Die Herausforderungen sind real, und sie sind in den letzten Jahren – wie wir alle wissen – deutlich größer geworden. Wir sehen seit Langem mehr Gefährdungsabklärungen, komplexere Familienproblemlagen, stärkere psychische Belastungen, mehr Eskalation und Gewalt und insgesamt schwierigere Dynamiken, die sozialpädagogisch enorm herausfordernd sind. Gerade dort, wo es um akute Krisen geht, also im Krisensystem, ist die Belastung besonders spürbar. 

Jetzt zu ein paar Fakten: Ja, es ist tatsächlich richtig, dass die Krisenzentren überbelegt sind. Die Kollegin hat die entsprechenden Daten vorher auch schon hier angebracht. Das bedeutet: Wenn wir eine größere durchschnittliche Auslastung haben, muss ein System, das als kurzfristiges Schutznetz oder Auffangnetz gedacht ist, sehr oft als Dauerlösung herhalten muss, und das ist natürlich fachlich nicht ideal, und zwar weder für die Kinder, noch für das Personal. – Das ist keine politische Bewertung, sondern das ist die aktuelle Realität, und diese Realität nehmen wir als Aufschwungskoalition ernst. 

Schauen wir aber auch auf die Schritte, die bereits gesetzt wurden. Diese zeigen, dass Wien nicht wegschaut, sondern konsequent handelt. 2025 wurden. –Erstens wurden 16 zusätzliche Dienstposten für Krisenzentren genehmigt. Damit wird sowohl tagsüber eine Dreifachbesetzung als auch in der Nacht eine Doppelbesetzung ermöglicht. Zusätzlich wurden für die Gefährdungsabklärung vier PsychologInnen-Posten geschaffen. – Das sind keine Überschriften, das sind echte Ressourcen in Zeiten von Budgetknappheit, und diese sind notwendig, um Qualität und Sicherheit weiterhin zu gewährleisten. 

Zweitens: Ausbau von Folgeplätzen: Warum ist Überbelegung überhaupt ein Problem? – Weil Kinder oft länger im Krisensetting bleiben müssen und weil passende Folgeplätze fehlen. Genau deshalb baut die Stadt seit Jahren sozialpädagogische, sozialtherapeutische und sozialpsychiatrische Angebote aus. Das ist echte Systemlogik. Wir müssen Krisenangebote entlasten, indem wir das Versorgungssystem dahinter stärken. 

Drittens – Spezialisierung: Wir reden hier nicht einfach über ein paar zusätzliche Betten, wie das vielleicht gerne dargestellt wird. Vielmehr haben wir in Wien spezialisierte Krisenangebote aufgebaut mit einem Kleinkindkrisenzentrum, mit einem Krisenzentrum für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge oder mit dem Spezialkrisenzentrum Ruckergasse. 

Das zeigt: Wien arbeitet in diesem Fall nicht mit der Gießkanne, sondern differenziert, professionell und zielgruppenorientiert. Und auch diese Fortschritte gehören in eine faire Debatte ebenso wie die Kritik. 

Es gibt aber Themen, die besonders sensibel sind, und wir müssen diese deshalb auch besonders verantwortungsvoll diskutieren. Es gibt nämlich leider Situationen, die eskalieren. Es gibt Kinder und Jugendliche, die sich selbst oder andere massiv gefährden. Es gibt Fälle, die niemanden kalt lassen dürfen. – Als Kind einer ehemaligen Beratungslehrerin, die sehr viel auch mit der MA 11 und auch mit Krisenzentren zu tun gehabt hat, kann ich Ihnen erzählen: Es gibt Fälle, die einen gar nicht kalt lassen können, und dort müssen wir in der Politik besonders hinschauen. 

In einem dokumentierten Fall wurden zwei unmündige Intensivtäter in einem Krisenzentrum 16 Tage lang wegen akuter Selbst- und Fremdgefährdung, unter anderem nach extrem gefährlichen Autofahrten und schweren Unfällen, kurzfristig angehalten.  – Das ist schwer zu sagen und auch schwer auszuhalten, und deshalb ist es ganz richtig, dass so etwas kritisch geprüft wird. Genauso wichtig ist es aber auch zu sagen, dass es sich dabei nicht um eine generelle Praxis, sondern um einen Einzelfall in konkreter Gefährdungslage gehandelt hat. Freiheitsbeschränkende Maßnahmen wurden in diesem Fall nach dem Heimaufenthaltsgesetz gemeldet und gerichtlich geprüft. In anderen Krisenzentren gab es keine Anhaltung. 

Zum auch wichtigen Thema Security: Diese wird laut MA 11 nur in Ausnahmefällen zugezogen, etwa bei Gefährdung durch Eltern oder massiv fremdgefährdendem Verhalten. Mit Stand 30. Oktober 2025 waren vier Security-MitarbeiterInnen im Einsatz. Strafregisterauszüge sind verpflichtend, pädagogische Aufgaben sind ausgeschlossen. – Und auch in diesem Zusammenhang gilt: Wenn die Volksanwaltschaft Kritik äußert, wird das ernst genommen, aber die Aufgabe ist nicht zu vereinfachen, sondern immer sauber abzuwägen. 

Was ist also die richtige Antwort auf diese Dringliche? – Natürlich ist nicht alles super, es muss aber auch nicht alles neu sein, sondern wir müssen genau dort investieren und verbessern, wo es Wirkung hat. 

Ganz konkret geht es darum: Das Krisensystem entlasten durch mehr Folgeplätze; bessere Übergänge; ambulante Bereiche stärken, weil Krisen nicht erst im Krisenzentrum beginnen, Arbeitsbedingungen verbessern, weil Bindung von Fachkräften das A und O ist;, Spezialisierung ausbauen, wo Zielgruppen hochkomplex sind; Kinderschutz konsequent umsetzen inklusive Kinderschutzkonzept, das seit Augst 2025 in Kraft ist. 

Ganz wichtig ist: Wir dürfen nie in Versuchung kommen, bei Kindern nur noch reaktiv zu agieren. Wenn wir nur noch Krisen verwalten, statt Unterstützung frühzeitig zu organisieren, dann verlieren wir alle, weil wir die Zukunft dieser Stadt verlieren. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) 

Die Wiener Kinder- und Jugendhilfe steht leider unter Druck und das müssen wir auch offen ansprechen. Aber genauso offen müssen wir sagen, wir arbeiten an konkreten Verbesserungen mit klaren Maßnahmen und mit messbarer Wirkung. Mehr Personal, mehr Entlastung, mehr passende Folgeplätze, stärkere Prävention und klare Qualitätsstandards. Das sind die Hebel und da müssen wir dranbleiben, denn am Ende ist nicht entscheidend, wie wir heute darüber reden, entscheidend ist, dass ein Kind in Not in Wien weiter Schutz findet und danach eine Perspektive. -Vielen herzlichen Dank. (Beifall bei den NEOS und bei Abgeordneten der SPÖ.)

Präsident Anton Mahdalik: Die Restredezeit beträgt 12 Minuten. 

Also nächster Redner hat sich der Abg. Lugner gemeldet. - Bitte sehr.

 

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